HPV-Impfung: ergänzende Impfempfehlung für Jungen und Männer im Alter von 11 bis 26 Jahren

Seit 2007 wird in der Schweiz die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) als Basisimpfung für alle Mädchen empfohlen, um die Krankheitslast durch Gebärmutterhalskrebs und weitere durch HPV verursachte Krankheiten zu verringern.

HPV sind kausal jedoch auch mit anderen Krebserkrankungen sowie mit Genitalwarzen assoziiert, die beide Geschlechter betreffen. Die Behandlung von Warzen ist oft langwierig und schmerzhaft, sei es mit topischen Anwendungen oder lokalen chirurgischen Massnahmen. Da das Virus dabei nicht eliminiert wird, kommt es oft zu Rezidiven. Bis zum erfolgreichen Abschluss einer Behandlung sind in der Regel zwei bis sechs Arztbesuche indiziert. Die Kosten für eine erfolgreiche Behandlung liegen je nach Land zwischen 180 bis 500.- chf.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) haben vor diesem Hintergrund eine detaillierte Bewertung der wissenschaftlichen Erkenntnisse vorgenommen. Auf Basis ihrer Evaluation empfehlen EKIF und BAG die HPV-Impfung nun auch als ergänzende Impfung für Jungen und Männer.

Hintergrund: Die HPV-Infektion ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen und betrifft besonders junge Altersgruppen beider Geschlechter: Ungefähr die Hälfte der Neuinfektionen tritt bei 15- bis 24-Jährigen auf. In den meisten Fällen eliminiert das Immunsystem das Virus innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Besonders häufige Manifestationen sind Genitalwarzen. In seltenen Fällen löst eine persistierende HPV-Infektion Krebs aus. Tumorerkrankungen, die bisher mit HPV kausal in Zusammenhang gebracht werden konnten, sind neben Gebärmutterhalskrebs (zu 100 % HPV-assoziiert) auch Analkarzinome (zu 88 % HPV-assoziiert), Oropharyngealkarzinome (zu 13–56 % HPV-assoziiert) sowie Penis-, Vulva- und Vaginal-karzinome (zu 43–70 % HPVassoziiert). Bei all diesen Tumoren scheint besonders HPV-16 an der Entwicklung der Neoplasie beteiligt zu sein; über 80 % aller Analkrebs erkrankungen werden durch ausschliesslich HPV-16 und -18 ausgelöst, deren Antigene im Impfstoff enthalten sind.

Die Gesamtkrankheitslast HPV-assoziierter Tumore bei Frauen und Männern beträgt schätzungsweise 5 % aller Krebserkrankungen weltweit, wobei die Haupt krankheitslast bei den Frauen liegt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Inzidenz der HPV-assoziierten Tumore bei beiden Geschlechtern zunimmt.

Ausser für Gebärmutterhalskrebs gibt es für andere HPV-assoziierte Krebserkrankungen noch keine routinemässigen Vorsorgeuntersuchungen.

Impfstoff Es sind aktuell zwei Impfstoffe gegen HPV verfügbar. Der tetravalente Impfstoff (Gardasil®) schützt vor einer Infektion durch die HPV-Typen 6,11, 16 und 18 und ist von Swissmedic auch für Jungen und Männer im Alter von 9 bis 26 Jahren zum Schutz vor Genitalwarzen zugelassen.

Wirksamkeit Die Serokonversionsrate einen Monat nach einer kompletten Impfserie liegt gemäss den Studien bei allen gleich hoch (fast 100 %).

Nebenwirkungen: Schmerzen an der Einstichstelle; 12.3% Kopfschmerzen; Nach weltweit 175 Millionen verabreichten Impfdosen bleibt die HPV-Impfung eine der sichersten Impfungen.

Impfschema Die Impfung wird für Jungen und Männer im Alter von 11 bis 26 Jahren empfohlen (bis zum Tag vor dem 27. Geburtstag), vorzugsweise zwischen 11 und 14 Jahren bzw. vor Beginn der sexuellen Aktivität. Analog zu den Empfehlungen bei Mädchen/Frauen sollten gesunde 11- bis 14-jährige Jungen mit einem 2-Dosen-Schema (Off-label Verwendung) im Abstand von sechs Monaten geimpft werden. Ab dem 15. Geburtstag, und für alle, welche eine Immunschwäche haben, sind drei Impfdosen zu den Zeitpunkten 0, 1–2 und 6 Monate indiziert.

Die Modalitäten der Kostenvergütung für Knaben und Männer sind in Ausarbeitung. Eine Entscheidung wird in den nächsten Monaten erwartet.

 

Quellen: Bundesamt für Gesundheit, Eidgenössische Kommission für Impffragen (STIKO) am Robert Koch-Institut Epidemiologisches Bulletin 2014